Liebe Freundinnen und Freunde!

In der Initiative Südviertel haben sich Nachbar*innen des Viertels und Unterstützer*innen zusammen gefunden, die gegen das AfD Parteibüro in der Leostraße 16 kämpfen. Mit uns gibt es keine Nachbarschaft mit der AfD! Das ist unser Motto. Einmal im Monat, an jedem ersten Donnerstag, protestieren wir mit einer Mahnwache vor dem Büro. Das machen wir bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit. Seit Dezember 2018. Erst gestern war wieder der erste Donnerstag. Und wir haben dort gestanden und zum ersten Mal waren so viele Menschen da, dass die Leostraße für den Verkehr gesperrt werden musste. Das war ein guter Auftakt für unsere Proteste heute!

Das Parteibüro in der Leostraße ist die Machtzentrale der AfD in Münster. Es ist auch das Wahlkreisbüro von Michael Espendiller, dem einzigen Bundestagsabgeordneten aus dem Münsterland. Bis vor kurzem war er parlamentarischer Geschäftsführer seiner Partei im Bundestag. Es ist also ein wichtiger Machtort der AfD hier und darum ist es umso wichtiger, dieser Partei klarzumachen: Keine Nachbarschaft mit der AfD! Wir wollen euch nicht, niemand will euch hier!

Wir zeigen Gesicht gegen Rassismus, Hass und Menschenverachtung, im Südviertel, in Münster, egal wo in Deutschland. Und wir werden vor eurem Büro stehen, bis es geschlossen hat!

Unsere Arbeit im Südviertel beschränkt sich nicht nur auf den Protest gegen das Parteibüro der AfD. Wir versuchen auch immer wieder neben einer klaren Haltung gegenüber dieser Partei Positives für unser Zusammenleben im Viertel zu machen. Wir laden ein zu nachbarschaftlichen gemeinsamen Essen, erinnern bei Führungen durch das Viertel an die von den Nazionalsozialisten deportierten und ermordeten Nachbar*innen, wir versuchen mit den Menschen im Viertel ins Gespräch zu kommen.

Liebe Freundinnen und Freunde, im Rathaus von Münster treffen sich gerade Faschisten und Neonazis um auf ihren Erfolg in Thüringen anzustoßen. Das wird dort drinnen gerade gefeiert, das ist klar. Der rechtsextreme Parteivorsitzende Jörg Meuthen stößt gerade mit dem NRW Landesvorsitzenden Rüdiger Lucassen und dem Landesvorsitzenden aus Sachsen Jörg Urban an. Jörg Urban, den man laut Gerichtsurteil einen Neonazi nennen darf.
Wenn der Landesverband der AfD mit Lucassen an der Spitze sich als gemäßigt bezeichnet, sollten wir uns davon nicht täuschen lassen.
Die AfD im Ganzen lehnt unsere freiheitlichen demokratischen Grundwerte ab. Sie ist eine faschistische Partei.
Wir alle wissen inzwischen, was lange in konservativen politischen Kreisen versucht wurde kleinzureden: eine Minderheit um die 15 - 20 % der Bevölkerung ist nationalistisch und antidemokratisch eingestellt.
Die AfD ist nicht deren Wurzel, sondern deren Pflanze.

Diesen Menschen müssen wir, die wir mehr sind, unmissverständlich klar machen: Wer AfD wählt, wählt Rassisten und Nazis und hat in unserer Gesellschaft nichts verloren!

Die Ereignisse um die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen machen noch etwas sehr deutlich. Dieses eklatante Versagen von CDU und FDP, dieser Verrat an unserer Grundhaltung, dass man sich niemals mit Faschisten einlassen darf, zeigt uns das Demokratiedefizit in unserer Gesellschaft auf.

Wir leben inzwischen in einer pluralistischen und bunten Gesellschaft.
Und dennoch ist Rassismus tief verwurzelt hier in unserem Land.
Denn an den Orten der Macht bildet sich unsere vielfältige und bunte Realität nicht ab.
Es hilft also nicht, nur mit dem Finger auf die AfD zu zeigen.
Wir müssen uns unseres alltäglichen strukturellen Rassismusses bewusst werden und daran arbeiten.
Denn solange ich als weißer Mann, als der ich hier stehe, bessere Chancen habe in dieser Gesellschaft, in der Menschen anderer Herkunft, anderer Hautfarbe, anderem Geschlecht immer noch benachteiligt sind, ist Rassismus ein Teil von uns allen!
Deshalb fängt der Kampf gegen die AfD bei uns selbst an, in unserer Familie, bei unseren Freund*innen, in unserer Nachbarschaft!

Arbeiten wir gemeinsam daran, dass die AfD bei den Kommunalwahlen in diesem Jahr nicht mehr in den Rat einziehen kann – damit dieser Neujahrsempfang deren letzter im Rathaus war!